Heute mal ein persönlicher Beitrag. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, diese Erfahrungen mit dir zu teilen. Und, mich würde auch interessieren, was andere damit anfangen können. Vielleicht gibt es sogar Personen, die bereits ähnliche Erfahrungen erlebt haben. Vielleicht hilft es auch anderen, mich besser zu verstehen. Naja, dann fangen wir mal an.

Grüne-Ampel-Momente

Bereits seit Anfang des Jahres fiel mir im Alltag auf, dass manche Dinge und Situationen sich zu meinen Gunsten entwickelten. Als ich mit einem Freund im April den Johannesweg entlang spazierte, war das bereits ein Gesprächsthema. Aus meiner Erinnerung versuche ich einige Beispiele zu rekonstruieren:

Zu der Zeit lieferte ich noch einmal wöchentlich in einem Studentenjob diverse Waren aus. Eigentlich sollte ich früh genug Bescheid geben, falls ich einmal ausfalle und als der Termin für den Johannesweg feststand, hatte ich darauf vergessen. Zum Glück war aber genau in dieser Woche nichts auszuliefern.

An einem anderen Arbeitstag regnete es. Dabei musste ich doch nach dieser Tätigkeit zu Fuss nach Ansfelden gehen - ungefähr 30 Minuten von der Stadtgrenze. Als ich dann später von der Straßenbahn ausstieg, war es klarster Himmel und sogar eine Rehhorde - noch nie sah ich derart viele Rehe auf einem Haufen - kreuzte meinen Weg.

Ein letztes Beispiel, das mit dieser Arbeit zu tun hat. Eines Tages bin ich beim Umdrehen mit dem Lieferwagen bei der Klimaanlage des Geschäfts angefahren, die daraufhin unschöne Geräusche von sich gab. Ich meldete den Vorfall sofort und machte mich dann an die Arbeit. Bei der ersten Station fiel mir dann auf, dass ich hinten kein Nummernschild mehr hatte. Ich wusste nicht, ob es bei der Fahrt heruntergefallen ist oder bei dem kleinen Unfall vorhin. Ohne viele Gedanken darüber zu verlieren und wachsam achtend auf Polizeistreifen, machte ich mich auf den Weg zurück. Mit einem mulmigen Gefühl betrat ich das Geschäft, schließlich musste ich jetzt auch noch erklären, dass ich das Nummernschild verloren hatte - am Parkplatz habe ich es nämlich nicht gefunden. Doch entgegen meiner Erwartung kam mir die Geschäftsleitung strahlend entgegen. Mit einem Lächeln erzählte sie mir, was passiert ist.
Wegen der Klimaanlage haben sie sofort einen Techniker gerufen. Zufällig war gerade jemand in der Nähe, der nur das Blech ausbiegen musste - es entstanden keine Kosten. Später marschierte dann plötzlich eine Polizisten ins Geschäft mit einem Nummernschild und der Bemerkung, ob dieses nicht vielleicht hierher gehörte.
Und so hat sich diese kriselnde Situation für mich einfach aufgelöst.

Doch es geht noch weiter. Gerade am Jakobsweg sind mir solche
Grüne-Ampel-Momente immer wieder untergekommen. Grüne Ampel übrigens deshalb, weil mich diese Situationen an das Gefühl erinnern, zur Ampel zu gehen, während diese dann genau in dem Moment auf grün umschaltet.

Got Faith?!.

Am Beginn des Jakobswegs in Porto waren wir noch zu zweit. In den ersten Tagen witzelten wir herum und ich kam irgendwie auf einen Werbespruch für ein Jakobsweg-Plakat: "Got Faith?"

Das sollte eine herausfordernde Frage sein, so auf die Art: "Hast du denn Mumm diesen Weg zu gehen?". Als religiöser Mensch könnte man es als "Hast du genug Glauben in Gott, ... (was auch immer)?" sehen. Ich selbst verstand diesen Spruch so: "Hast du genug Vertrauen in dich selbst und in den Weg?". Und immer als wir uns selbst unsicher waren, wie der Weg nun weitergeht, da wir schon länger keine gelben Pfeile  - unsere Wegweiser - mehr gesehen hatten, bestärkten wir uns mit einem "Got Faith?", was dann so viel bedeutete wie: "Hast du Vertrauen in den Weg?" Und kein einziges Mal wurden wir bzw. später ich auf diesen 260 Kilometern enttäuscht.

Der Spruch entwickelte sich weiter. "Got Faith!" Als mein Weggefährte mich nach vier Tagen Richtung Heimat verließ, musste ich mir das selbst auch öfter sagen: "Habe Vertrauen - es wird schon alles passen." Und so folgte es auch. Bereits einen Abend später saß ich mit einer wunderbaren Bekanntschaft unter dem Sternenhimmel und meditierten gemeinsam. Schon lange fühlte ich mich nicht mehr mit jemanden so auf einer Wellenlänge.
In den letzten Monaten und Jahren hatte ich oft mit den Gedanken zu kämpfen, dass ich mit meinen Weltansichten mehr oder weniger allein dastehe.
Doch nun der ultimative Gegenbeweis. Wir verbrachten mehrere Tage miteinander und führten intensive Gespräche. Es ergab sich, dass wir uns von der Abhängigkeit, aber auch von der Bequemlichkeit der Pilgerherbergen loslösten und uns selbst mit Hängematte und Zelt für die restlichen Hälfte der Reise in die "Wildnis" begaben.

Schon am ersten Tag im Grünen kam der nächste große Grüne-Ampel-Moment. Auf der Suche nach Wasser, um uns und unsere Kleidung zu waschen, klopften wir bei mehreren Häusern (eigentlich eher Villen) an. Bei den ersten beiden zeigte sich keine Reaktion. Beim dritten Versuch erwischten wir eine ältere Familie im Garten, die uns natürlich gastfreundlich eine Dusche anbot, aber sichtlich unangenehm bei diesem Gedanken schien, da wir ja doch erstmals Fremde für sie waren. Während dem Kleiderwaschen kamen wir aber irgendwie darauf, dass einige Mitglieder dieser Familie langjährig in Deutschland tätig waren und teilweise noch fließend Deutsch sprachen. Mit dieser Erkenntnis veränderte sich die gesamte Situation. Wir bekamen eine warme Dusche, zu essen, deutsches Bier zu trinken, selbstgemachten Kaffeelikör und eine Führung durch den Garten inklusive Riesentomate als Lunchpaket für den nächsten Tag. Als wir uns dann wieder zu unserem Schlafplatz begaben, konnten wir selbst dieses unglaubliche Glück kaum fassen.

Nie hatten wir irgendwelche Probleme mit den Nächten unter freiem Himmel oder sonst irgendetwas. Fast immer hat uns ein nahegelegener Fluss alles gegeben, was wir brauchten. Mittlerweile hatten wir "Got Faith." verinnerlicht. So auch, als ich am elften Tag allein in Santiago ankam ohne irgendeine Schlafmöglichkeit, da die meisten Herbergen bereits mehrere Tage hintereinander ausgebucht waren. Da schmiss ich meinen Rucksack einfach in einen Baum, wusch mich und die nötigste Kleidung noch in einer Herberge (gegen Bezahlung natürlich) und genoß so auch noch einen wunderbaren Feier-Abend in Santiago.

Kurz zuvor traf ich auch noch ein Helferlein, dass mir schon an den Vortagen einmal über den Weg gelaufen ist. Es war eine Spanierin aus Madrid, die kein Englisch sprach - und ich übrigens auch kein Spanisch. Ihre Begleiter, von denen ebenfalls nur einer bröckchenhaft Englisch über die Lippen brachte, luden mich eines Nachmittags beim Vorbeigehen an einem Cafe zum Hinzusetzen ein. Sie gaben mir Schnaps und etwas zu essen und so formte sich eine kleine Bekanntschaft. In Santiago auf Herbergssuche traf ich diese Frau dann wieder und ohne viele Worte auszutauschen - konnten wir ja auch nicht -, wurde ihr klar, dass ich keinen Schlafplatz für die Nacht hatte, worauf sie ohne zu zögern aufsprang und eine Dame aus dem Cafe zum Übersetzen holte, die mir dann auch ein paar weitere Tipps für die Nacht mitgab.

Es geht weiter

Solche Momente hörten nach dem Weg aber auch nicht auf. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl sie wurden noch intensiver. So hatte ich ja schon gesagt, dass ich in den letzten Jahren mich mit meinen Gedanken sehr allein gefühlt habe und nun treten neben der Jakobsweg-Bekanntschaft immer wieder neue Personen (wieder) in mein Leben. Angefangen vom Wiedersehen mit einer Bekannten aus der Volksschule, dem ersten Mal Couchsurfing im Mühlviertel, einer langjährig Bekannten, die im letzten Jahr ebenfalls eine starke Entwicklung hinter sich hatte, bis hin zu einer jungen Dame, die ich letzten Donnerstag beim Philosophie Treffpunkt Linz kennengelernt habe. Einen Freund von mir hätte ich dazu eigentlich auch eingeladen, der aber zögerte mitzugehen, aufgrund der Erwartung, es würden dort zu viel theoretische, lebensfremde Gespräche geführt werden. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Der Fokus lag auf praktischer Philosophie, integriert ins tägliche Leben. Denn nur, wenn man sich selbst verändert, kann man auch die Welt verändern.

Das war für mich selbst auch etwas, was mir die Reise am Jakobsweg mitgegeben hat: erkennen, dass manche Gedanken womöglich einfach nur falsche Erwartungen sind und nicht die Wahrheit.

Ein weniger beeindruckendes, aber immer wiederkehrendenes Beispiel geschah letzte Woche bei einem Gründer-Workshop, als der Arbeitstag in der Linzer Tabakfabrik vier Tage hintereinander zu unterschiedlichen Zeiten beendet wurde und ich wirklich vier mal hintereinander genau null Minuten auf den Bus warten musste. Zur Info: Mein Bus fährt von dort untertags nur alle 15 Minuten, abends noch unregelmäßiger. An den ersten Tagen freute ich mich noch über mein Glück. Am dritten Tag spürte ich schon: das scheint wieder so ein Grüner-Ampel-Moment zu sein. Und an Tag vier war ich mir bereits im Vorhinhein schon sicher ("Got Faith."), dass ich wohl nicht lange warten werde.

Diese Woche gab es aber auch wieder einen heftigen Grüne-Ampel-Moment. Durch zwei Gespräche, eines davon enstand spontan, das andere war bereits mehrere Tage zuvor ausgemacht, wurde ich wieder an meine Pilgerbekanntschaft erinnert, mit dem Gefühl, ich sollte mich mal wieder bei ihr melden, was ich abends dann auch tat. Und wie sich herausstellte, war dies der perfekte Zeitpunkt dafür. Denn genau so eine Nachricht, brauchte sie gerade als Aufheiterung.

In letzter Zeit war ich wieder auf Jobsuche und hatte schon einen mehr oder weniger fixen Platz für das Leiten eines Mathe-Basiskurses in Aussicht. Aus irgendwelchen Gründen wurde mir aber abgesagt, was ich irgendwie schade fand, denn nach nun einiger Nachhilfe-Erfahrung, hätte ich mich sehr gefreut, auch mal die Freuden und Leiden des Unterrichtens kennenzulernen. Und dann kam vor zwei Tagen ein Anruf, dass für den ersten Termin ein Kollege ausgefallen ist. Und so durfte ich doch einspringen.

Nun, so führte mich die Philosophie des "Got Faith?!." und die auftretenden Grüne-Ampel-Momente zum jetzigen Zeitpunkt. Mittlerweile habe ich auch von einigen anderen Personen gehört, die ebenfalls von solch positiven Ereignissen berichten, wenn sie nur Vertrauen haben bzw. eben "Got Faith." verinnerlicht haben.

Was mich alles irgendwie an ein Zitat erinnert:

You can’t connect the dots looking forward;
you can only connect them looking backwards.
So you have to trust that the dots will somehow connect in your future.
You have to trust in something — your gut, destiny, life, karma, whatever. This approach has never let me down, and it has made all the difference in my life.
Steve Jobs

Nicht alles war gut

Das klingt natürlich alles jetzt so, als wären mir in letzter Zeit nur gute Dinge widerfahren, was ein komplett falsches Bild wäre. Klar, sind auch viele Sachen nicht so ausgegangen wie ich es gerne gehofft hätte, aber ich habe gemerkt, wie anders ich heute auf diese Dinge reagiere. Selbst auch, wenn ich aus näherem Umfeld Gegenwind auf meine Art zu Leben erhalte. Ich nehme diese Dinge einfach vorerst so hin, wie sie sind, akzeptiere andere Perspektiven, dränge keinem meine Meinung auf und schätze das Gegenüber und den Austausch.

Wie hängt das jetzt alles zusammen?

Ich weigere mich irgendeine Gesetzmäßigkeit aus all diesen Geschehnissen abzuleiten und will auch keinesfalls irgendwie versuchen zu begründen, warum diese Dinge in letzter Zeit so passieren, wie sie eben passieren. Zurzeit genieße ich es einfach und fühle mich so gut und so sehr am richtigen Weg, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Und falls diese Grünen-Ampel-Momente nun plötzlich aufhören würden, wäre das auch vollkommen okay.

Ob es dann im Endeffekt an meiner erhöhten Aufmerksamkeit liegt, dass mir solche Situationen eher auffallen oder dass diese Situationen wirklich öfter auftreten, oder auch ganz was anderes, sei dahingestellt. Ich teile mit dir einfach das, was mir passiert ist. Nichts weiter.

Ich bitte um dein Wort

Jetzt würden mich natürlich auch deine Erfahrungen und deine Meinung dazu interessieren.

Hast du schon so Ähnliches erlebt oder bist du selbst in so einer Phase?

Ist das alles einfach nur Glück oder wie würdest du all diese Geschehnisse einordnen?

Oder hört sich das alles sowieso nicht wirklich spektakulär an?


Danke für deine Zeit!

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