Du gehst die Straße entlang. Du spürst Blicke, die dich förmlich ausziehen und durchdringen wollen. Wenn jemand an dir vorbeigeht, bleiben die fremden Augen an dir kleben. Kein Lächeln oder sonst irgendeine deutbare Reaktion auf den Gesichtern. Du wirst einfach nur angestarrt. So jemand wie du wird verabscheut; dient dazu, den anderen die Rechtfertigung für sich selbst zu geben. Du bist da, damit sie sich gut fühlen können. Du bist anders. Sie sind normal.

Du gehst die Straße entlang. Du merkst, alle Blicke gehen in die selbe Richtung. Du fühlst dich richtig. Die anderen fühlen sich auch richtig. Folgt man den Blicken, münden sie in einer Person, die in eine andere Richtung blickt. Was das soll, ist die Frage.  Und wie der aussieht, wie ein Aussetziger! Und trotzdem ist es die Neugier, die die Blicke dahin fesselt. Bis der Druck in der abweichenden Person so stark wird, dass auch sie in das Meer der gebündelten Blicke eingeht.

Wer bestimmt, was normal ist?
Wer bestimmt, wo anders sein anfängt und wo normal sein endet?

Normal zu sein. Das heißt für mich, so sein wie der Großteil der Gesellschaft, "der Masse" oder - wohl treffender - "der Herde". Normal zu sein bedeutet nicht, gesund zu sein und gesund zu sein bedeutet nicht, normal zu sein. Es gibt nicht-gesunde Normale und gesunde Nichtnormale.

Normalität ist eine Blendung. Sie lenkt den Blick auf das Andere und vergisst dabei sich selbst. Denn, wer wird ständig darauf überprüft nicht normal zu sein? Die, die anders sind. Eine Ablenkung von der eigenen Norm.

Norm. Normal. Normalität. Normal ist das, was die Mehrheit tut. Aber nicht irgendeine Mehrheit, sondern die Mehrheit, die man selbst als normal einschätzt. Chinesen und Inder sind zahlenmäßig mehr, doch würden wir sie nicht als normal befinden. Wir sind normal, wir durchschnittliche Österreicher - da gibt's nix. Oder?

Dann befragen wir doch gleich den fleischverweigernden, ultra-aufdringlichen Veganer, der sich weigert bei der Firmenfeier eine Schnitzelsemmel herunterzuwürgen. Was bist du nur für ein Tier? Das ist doch nicht normal. Was haben deine Eltern bloß falsch gemacht und an was für unwürdige Götter glaubst du, Sonderling?

Und da haben wir den Salat. Es wird nur das Andere hinterfragt, nicht aber das Normale. Andere werden nach dem Warum ihres Andersseins befragt und müssten sich laut ihren Verhörern nach deren Maßstäben ihrer Normalität ausrichten. Doch wer stellt die Warum-Frage der Normalität? Warum Schnitzelsemmel? Warum Menschen und nicht Tiere? Warum Kleidung und nicht Nacktheit? Warum Leben und nicht Tod? Warum Zweigeschlechtlichkeit und nicht Unisex? Warum Krieg und nicht Frieden? Warum Kontrolle und nicht Vertrauen? Warum inneres Schweigen und nicht offene Kommunikation? Warum Darstellung und nicht Ehrlichkeit? Warum Angst und nicht Hoffnung?

Warum normal und nicht anders?


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Foto:  Elijah O'Donnell - Unsplash