Vom Überzeugen gewinnt man kaum mehr
als male man
einen verwelkten Strauch
mit grüner Farbe an

Außen gesund, vernünftig
und zum Leben hin geweiht
während im Inneren die Fäulnis weiter währt
und völlig ausgedeiht

Es ist, wie so vieles
nicht das, was es scheint
Anscheinend aber das
was unser aller Gemeinschaft eint

Ein Gesicht sich aufzusetzen
als wäre in einem alles gut beseelt
während Zeitungen nur schreiben
was uns gerne quält

Der Widerspruch verträgt sich gut
weil’s ja keinen kümmern tut

Solange das Maskenspiel noch
das eigene, echte Empfinden
überdeckt
Solange bleibt einem auch die Wahrheit
seiner Selbst und auch der Anderen
versteckt

Katastrophen aus des Menschen Hand
immer häufiger nun auch bekannt
Jedes Mal die Masse überzeugen
dem Wohle der Gemeinschaft
und der Zukunft sich zu beugen

Ein Mühsal
denn Selberdenken bleibt
unangeregt
folglich ein Sturm der Empörung dem
hinüberfegt

und verweht allen Samen mögliche Frucht
die uns innerlich dort wachsen und auch reifen ließe

Doch wo keiner glaubt zu finden
dort auch keiner sucht.


foto: Jonathan Sharp auf Unsplash