Den ganzen lieben langen Tag machen wir irgendwelche Sachen. Je nach Lust und Laune denkt man darüber mehr oder weniger intensiv nach. Vielleicht hat man sich auch schon die Frage gestellt, warum man diese Sachen eigentlich macht, vielleicht auch nicht. Was das für Konsequenzen hervorruft und warum wir überhaupt mit so Manchem aufhören sollten, darum geht es in diesem Text.

Der Kampf um die Bilder im Kopf

Nur für sich allein stehende Puzzleteile lassen sich nicht zu einem harmonischen Gesamtbild formen. (Bild 1)

Klassisches und schon ewig durchgekautes Beispiel: Aufmerksamkeit.

Tagtäglich wird um dieses Gut von jeglichen Lockangeboten in Bild und Ton und Wort und Schrift darum gekämpft. Das müssen auch nicht auf den ersten Blick Werbebotschaften sein, das kann auch Aussagen in einem persönlichem Gespräch oder auch Blogbeiträge (so wie dieser hier einer ist) betreffen.

Hinter jeder Botschaft steht eine bestimmte Message, ein Kern, der manchmal oberflächlicher daherkommt, manchmal mehr in die Tiefe geht. Im Laufe eines Tages schwirren einem dann abertausende, untereinander konkurrierender Werbesätze und Weltbilder durch den Kopf. Von »Du bist erfolgreich und attraktiv, wenn du dieses Produkt/diese Erfahrung gemacht hast« über »Wenn sich nur endlich die Arbeiterklasse vereinigen würde, dann wäre die Welt viel besser« zu »Ich muss die Umwelt um jeden Preis schützen und nachhaltig leben«; dem sind keine Form und Grenzen gesetzt. Kern dieses Absatzes ist: Jede Botschaft vermittelt ein bestimmtes Welt-, Menschen- oder Selbstbild, ein vermeintlich ernst genommenes Idealbild, das angibt, wie etwas sein soll.

Diese Bilder wirken, ob man will oder nicht. Natürlich ist das stark von der persönlichen Geschichte abhängig, auf welche Botschaften man stärker oder schwächer reagiert. Was man aber schwer verneinen kann, ist die Tatsache, dass wir diese Botschaften verinnerlichen; einfach, weil wir davon andauernd beschossen werden und sich diese Bilder mit jeder Wiederholung immer tiefer in uns hineinbohren.

Die Alternative wäre, sich von diesem Beschuss abschotten zu können, in dem man entweder diesem Minenfeld überhaupt ausweicht, also sich komplett von der Außenwelt isoliert, oder lernt mit diesem ständigen Angriff auf die eigene Aufmerksamkeit umzugehen. Das mag man wohl auch als ›Resilienz‹ (psychische Widerstandskraft) bezeichnen können oder auch ganz einfach damit, dass man selbst die Kontrolle darüber behält, auf welche Dinge man seinen Fokus legt.

Der verwirrte Geist

Unentwegt von knalligen Farben und flotten Sprüchen abgelenkt zu werden führt zu geistiger Verwirrung. Man verliert die Klarheit über sich selbst und das, was man eigentlich will.

Wo bleibt die Zeit sich darüber Gedanken zu machen, was einem wichtig ist, wie man leben möchte und was einem wirklich glücklich macht, wenn man sich ständig in einer Gewitterwolke herumschleppt aus der immer wieder verschiedenste fremdbestimmte Bilder in einen einschlagen.

Es gibt nichts Kostbareres und Knapperes in unserem Leben als die Zeit. Zeit, die uns dadurch beraubt wird und der so Hürden in den Weg gestellt werden.
Ohne Zeit kein Leben.

Wohin geht die eigene Reise? (Bild 2)

Deshalb klingt es vielleicht nun durchaus sinnvoll, wenn ich vorschlagen würde, sich weniger an diesen Bilder-Schlachten zu beteiligen. Mit jeder Antwort, jeder Reaktion, die für andere in gewisser Weise wahrnehmbar ist, reproduzieren wir diese Bilder, wenn wir nicht genau aufpassen.

Nachdenken, bevor man etwas zu sagen hat oder bevor man eine Handlung setzt, ist auch nicht etwas, was man zum ersten Mal hört. Nicht noch weiter zur geistigen Verwirrung beitragen, sondern wenn, dann mit den eigenen Aussagen oder auch dem eigenen Schweigen die Entwirrung begleiten.

Hat man dann einmal eine bestimmte Stufe an Klarheit erreicht, kann einem plötzlich auffallen, dass für Probleme, die man bisher hatte, nun doch nicht die anderen Schuld sind, sondern man selbst. Dass jede Anschuldigung, jedes Fingerzeigen nun schwer auf das schlechte Gewissen drückt, weil man nun einsieht, dass man auch selber zum Beibehalt dieses Problems beigetragen hat.

Die Muster der Generationen

Wir Menschen haben uns als soziale Wesen bestimmte Verhaltensmuster über die Jahrhunderte angewöhnt, um miteinander halbwegs gut auszukommen. Die konkreten Muster, die sich daraus in unserem Umfeld bildeten, werden von uns als Kinder großteils ungefiltert aufgesogen und gutgläubig übernommen - wie sollten wir es auch damals anders wissen.

Menschen bilden und reproduzieren Muster, die sie großteils gelernt haben, wie hier bei der Benützung des Symbols ›Zebrastreifen‹. (Bild 3)

An einem Punkt in der Heranreifung eines Menschen kommt es dazu, dass man diese Muster hinterfragt und überlegt, wie man eigentlich leben will und in welcher Welt das stattfinden soll. Auf einmal stehen ideelle Vorstellungen mit den konkreten Verhältnissen auf der Welt in Konflikt. Einerseits kann man nicht sofort die angelernten Muster ablegen, da man durch diese ja aufs Überleben und Auskommen in der derzeitigen Weltsituation angewiesen ist. Andererseits ist es durchaus möglich manche dieser Verhaltensmuster nicht mehr weiter auszuüben, sie nicht mehr weiter zu reproduzieren und so eine neue Weltsituation für zukünftige Generationen zu schaffen.

Und nur, weil man jetzt etwas verändert hat oder sich ein neues ideelles Weltbild ausgedacht hat, heißt das noch lange nicht, dass es gut wäre, dieses zu bewerben. Genau hier würde man wieder die geistige Verwirrung befeuern.

Jeder Mensch hat seine Geschichte, seine Muster und seine Lösungswege dafür bereit. Deshalb sollten wir schon im Vorhinein bedenken, dass unsere selbst entwickelten Lösungswege, die für uns selbst scheinbar perfekt funktionieren, nicht unbedingt für das Leben anderer Menschen geeignet sind und uns damit die unnötige Verwirrung, die dadurch erzielt wird, ersparen.

Manch einer mag jetzt argumentieren, dass ich hier wohl dasselbe gestalte. Also, dass ich meine funktionierenden Lösungswege für das ›Problem‹ Leben hier anpreise. Da ist sicher etwas dran, allerdings versuche ich zur Entwicklung der Klarheit beizutragen und kund zu tun, dass dieses gesamte ›so-soll-etwas-sein‹ Gehabe zu nichts führt, schlimmer sogar, zu Verwirrung. Und wer weiß, vielleicht gelange ich eines Tages zu der Einsicht, dass das Schreiben hier tatsächlich mehr Verwirrung als Klarheit stiftet, was diese Publikation abrupt beenden würde.

Wir sind Veränderung

Veränderungen werden immer ein Teil unseres Lebens sein. Sich gegen die Veränderung zu wehren, weil sie nicht sein soll, erzeugt nur Leid und Gegenkräfte.

Veränderung, in welchem Maße wir sie auch immer beeinflussen vermögen, beginnt mit der Weitergabe von und Reaktion auf Muster in der menschlichen Geschichte.

Unser Beitrag kann sein förderliche Muster zu reproduzieren und mit destruktiven Mustern, die uns behindern, einfach aufzuhören. Daher erscheint es vorerst vielleicht  vernünftiger, nichts* zu tun oder zu sagen, als einfach irgendwie zu reagieren. Was ›förderlich‹ und was ›destruktiv‹ dann genau ist, darf jeder für sich entscheiden und diese Entscheidung darf sich mit wachsender Klarheit auch jederzeit wieder ändern.

Am Ende ist schließlich auch der Mensch im Wesen selbst eine durchgehende Veränderung.

Die Veränderung der Veränderung. (Bild 4)

*›Nichts‹ zu tun bedeutet nicht gleich ›nichts zu tun‹ und schon gar nicht faul bzw. untätig zu sein. Klingt wie ein Parodox, ist aber so. Zum Beispiel: Mit etwas aufzuhören ist eine aktive, keine passive Tätigkeit.


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Ich möchte mich hier auch für all den inspirierenden Austausch bedanken, den ich von bestimmten Menschen aus meinem Umfeld unter anderem zu diesem Beitrag erhalten habe. Danke für die Ausdauer und die Kraft, die ihr aufbringt, sich solchen Themen zu stellen und sich dabei davon auch nicht vereinnahmen zu lassen. Ihr seid eine unglaubliche Quelle für mich.

- Steve O.C.

Titelbild: Anwaar Ali auf Unsplash

Bild 1: Hans-Peter Gauster auf Unsplash

Bild 2: Daniele Levis Pelusi auf Unsplash

Bild 3: Chris Barbalis auf Unsplash

Bild 4: Thomas Hooper auf Giphy