Wenn 45 Kugeln, allesamt vorher vom notariell überprüften Notar überprüft, die scheinbar wie von selbst in dieser sichtdurchlässigen Glücksmaschine zusammengemixt werden und man mit steigendem Herzklopfen den eigenen, ebenfalls aus einer Glücksmaschine produzierten sechs Zahlen zuruft, sie mögen doch erwählt werden und am Ende der Zufall einem doch nicht so gesinnt war, dann war das eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle, vom vorfreudigen Aufstieg, der Möglichkeit einfach und schnell viel Geld zu gewinnen, bis zum Höhepunkt der Ziehung, dem dann der Sturz in die Tiefe der mathematisch begründeten Unwahrscheinlichkeit tatsächlich die eigenen sechs Zahlen am Fernsehbildschirm aufhellen zu sehen, folgt. Und das nächstes Mal sind wir wieder dabei.

Doch was ist eigentlich Lotto? Was steckt hinter dem Glücksspiel, mal einfach so Millionör zu werden?

Von Anfang an

Beginnen wir ganz, ganz vorne.

Menschen kaufen Lottoscheine und der Erlös dieser wird in einem Lottotopf gesammelt, aus dem dann später die Lottogewinne ausbezahlt werden.

Der mögliche Gewinn beim Lotto hängt also vorerst mal von der Geldmenge im Lottotopf ab.

Diese Geldmenge wird dann nach den Gewinnwahrscheinlichkeiten auf folgende Kategorien aufgeteilt1.

Kategorie Gewinnchance
6 Richtige 1 : 8.145.060 = 0,0000123 %
5 Richtige + ZZ 1 : 1.357.510 = 0,0000737 %
5 Richtige 1 : 35.724 = 0,00280 %
4 Richtige + ZZ 1 : 14.290 = 0,007 %
4 Richtige 1 : 772 = 0,129 %
3 Richtige + ZZ 1 : 579 = 0,173 %
3 Richtige 1 : 48 = 2,07 %
0 Richtige + ZZ 1 : 16 = 6,16 %
eine der obigen Bedingungen erfüllt 1 : 12 = 8,55 %
Tabelle 1

Um die Logik des Lottospiels deutlich zu machen, nehmen wir als Beispiel die Lottoziehung vom 28.10.20182.

Kategorie Gewinn
6 Richtige 0 x 703.355,02 €
5 Richtige + ZZ 4 x 24.177,80 €
5 Richtige 70 x 1.507,10 €
4 Richtige + ZZ 229 x 138,20 €
4 Richtige 3.455 x 50,80 €
3 Richtige + ZZ 5.266 x 15,00 €
3 Richtige 58.407 x 5,40 €
0 Richtige + ZZ 185.134 x 1,20 €
Tabelle 2

Was vermutlich sowieso offensichtlich erscheint, sei trotzdem nochmal erwähnt: die Gewinner teilen sich die Gesamtsumme in diesen Kategorien auf.

Zählen wir nun alle Gewinne zusammen erhalten wir beinahe die Menge im Lottotopf.

703.335,02
+ 4 x 24.117,80
+ 70 x 1.507,10
+ 229 x 138,20
+ 3.455 x 50,80
+ 5.266 x 15,00
+ 58.407 x 5,40
+ 185.134 x 1,20

=  1.729.033,62 €

Da die österreichischen Lotterien aber natürlich auch noch andere Ausgaben haben, wie Personal, die Fernsehziehung im ORF und andere Notwendigkeiten, müssen sie von dem Betrag im Lottotopf dafür etwas abziehen.

Bei meiner Internetrecherche habe ich dazu keine genauen Zahlen gefunden.

Wir können es aber schätzungweise hochrechnen.

Insgesamt haben bei dieser Ziehung (nehmen wir an, es gab einen 6er, damit wir den Jackpot nicht weiter mitnehmen müssen)

1 + 4 + 70 + 229 + 3.455 + 5.266 + 58.407 + 185.134

= 252.566

Lottotipps gewonnen.

Diese alleine haben mit ihren gewinnbringenden Tipps  (ein Tipp kostet 1,20 €) bereits

252.566 x 1,20

= 303.079,20 €

in den Topf einbezahlt.

In dem, dass durchschnittlich jeder 12. Tipp gewinnt (siehe Tabelle 1) ist dieser Betrag mal 12 zu nehmen, damit auch alle Tipps enthalten sind, die nicht gewonnen haben.

303.079, 20 x 12

= 3.636.950,40 €

Das mag keine exakte Berechnung sein, aber es gibt uns einen ungefähren Schätzwert.

Das Verhältnis von den ausbezahlten Gewinnen zu dem ursprünglichen Betrag im Lottotopf wäre demnach 47,5 %; also gerade einmal Hälfte der Erlöse wird für Gewinne verwendet.

Aus dem Geschäftsbericht 20173 ist Ähnliches zu erlesen:

Alle Spiele der österreichischen Lotterien (bei der vorigen Schätzung betrachteten wir lediglich das Spiel "6 aus 45") brachten einen Umsatz von 3.483,08 Mio Euro, wobei nur 2.703,68 Mio Euro an Gewinnen ausbezahlt wurden. Das entspricht einem Verhältnis von 77,6%.

20164 war dieses Verhältnis 2.598,23 Mio Euro / 3.351,89 Mio Euro = 77,5 %,

20155 war es 2.336,41 Mio Euro / 3.084,05 Mio Euro = 75,8 %.

Aus diesen Daten kann man also schließen, dass mindestens 25 % der Geldmenge im Gesamttopf einbehalten wird, beim Lotto vielleicht sogar mehr.

Was heißt das nun?

Viele Lottospieler werfen Geld in einen Topf. Am Ende erhalten ein paar Wenige deutlich mehr als sie ausgegeben haben. Der Großteil aber trägt einen Verlust. Und auch wenn man alle Teilnehmer zusammen rechnet, verlieren sie insgesamt, da die Topfsumme am Anfang nicht der Topfsumme am Ende entspricht; der Betreiber behält sich ja, wie oben bereits festgestellt, ein Viertel davon als Spielgebühr.

Im Grunde ist Lotto also ein Mechanismus, der wenig Geld von Vielen zu einer großen Geldmenge konzentriert und dann auf Wenige aufteilt.

Okay, es ist ein Glücksspiel. Einmal gewinnt der, einmal die und einmal sogar du. Wenn man die lange Frist betrachtet, gleicht es sich auf die Dauer also irgendwie aus.

Leider ist es aber so, dass die verteilte Summe in der langen Frist immer weniger wird, da der Betreiber bei jedem Spiel 25 % einbehält und sich so selbst immer weiter bereichert. Mit diesem Geld kann dieser sich mehr Spiele sowie mehr Werbung ausdenken und immer höhere Jackpots anbieten, um noch mehr Spieler und damit noch mehr mögliche Einnahmequellen anzulocken.

Der Spielbetreiber ist also der einzige Gewinner bei "6 aus 45" sowie wohl auch bei allen anderen Glücksspielen. Mit jeder Ziehung, mit jedem Spiel wird dieser weiter gefüttert und wächst in seiner Größe damit immer weiter an.

Die Gewinne der österreichischen Lotterien sprechen für sich. Der Jahresüberschuss stieg von 20155 von 60 Mio € auf 70 Mio € im Jahr 20173.

Alternativen?

Ja was soll man denn jetzt tun, wenn man einfach schnell mal Millionör werden möchte?

Da würde ich zuerst eine Frage vorausschicken:

Brauchst du das Geld wirklich?

Stell dir vor, du hättest das Geld, was würde es in deinem Leben ändern? Wärst du wirklich glücklicher?

Falls du das Geld dann wirklich brauchst, dann wäre es doch auch schön, es irgendwie bekommen zu können. Vielleicht hat jemand einen Haufen Geld, den dieser selbst nicht benötigt, oder eine große Anzahl von Menschen spendet einen kleinen Betrag (ähnlich dem Preis für einen Lottoschein) für diese Sache.

Und dann wäre es schön, wenn dies ohne einen Mittelsmann funktionieren würde, der noch einen großen Batzen des Geldes für sich abzweigt und uns im Nachhinein immer stärker überzeugen möchte, mit ihm weiter zu spielen.

Eine Idee wäre zum Beispiel ein Gemeinschaftstopf. Anstatt regelmäßig Lottoscheine zu bezahlen, spendet man diesen vernachlässigbaren Betrag genau da hinein, mit der Sicherheit, dass man aus diesem großen Topf einfach Geld nehmen kann, wenn man es wirklich braucht.

Das setzt natürlich voraus, dass Menschen Geld nur nehmen, wann sie es wirklich brauchen und nicht aus Jux und Tollerei. Was wiederum voraussetzt, dass Menschen wissen, was sie wirklich brauchen. Da wären anfangs wohl noch gewisse Regeln aufzustellen oder Selbsterfahrungs-Kurse anzubieten, um so etwas zu vermeiden. Auch, wenn so eine Idee vielleicht derzeit noch nicht denkbar wäre, bedeutet das nicht, die Menschen daraufhin nicht vorbereiten zu können.

Auf alle Fälle klingt das wohl besser, als irgend so ein unnötiges Unternehmen großzufüttern und zu bemächtigen, nur dass es uns später wieder weiter ausnehmen kann.


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Foto: Dylan Nolte auf Unsplash

[1] https://www.lottoland.at/lotto-6-aus-45/hilfe

[2] https://www.lotto6aus45.com/lottozahlen-joker/28-10-2018

[3] https://www.lotterien.at/fileadmin/data/Downloads/Geschaeftsberichte/Casinos-Austria-Lotterien-Gruppe-Geschaeftsbericht-2017.pdf

[4] https://www.lotterien.at/fileadmin/data/Downloads/Geschaeftsberichte/Oesterreichische-Lotterien-Geschaeftsbericht-2016.pdf

[5] https://www.lotterien.at/fileadmin/data/Downloads/Geschaeftsberichte/Oesterreichische-Lotterien-Geschaeftsbericht-2015.pdf