Wer bin ich eigentlich? Hast du dir diese Frage eigentlich schon je einmal gestellt und hast du sie auch versucht ernsthaft zu beantworten?

Diesen Text widme ich der Identität. Indem ich natürlich keiner Person sagen kann, wer sie ist, beschränke ich mich hier auf eine unvollständige Liste von Quellen für den Identitätsbezug, bei denen ich finde, dass hier die Gefahr sich in eine “falsche” Identität zu verlaufen am größten ist.

Damit meine ich, dass es in folgenden Fällen durchaus sein kann, dass man sich durch diese Identitätsbezüge nicht mehr richtig selbst erkennt und so einem Ziel bzw. einem “Ich” hinterherjagt, dass es in einem selbst eigentlich gar nicht gibt.

Die Nation

Hand aufs Herz. Nationen sind eine reine Fiktion und so sollten sie auch behandelt werden. Auch, wenn es für Regierungen Sinn macht zu wissen, wo deren Zuständigkeitsbereich anfängt und endet, kann es für uns schaden, die eigene Identität vorwiegend aus dem Nationalgefühl zu beziehen.

Wir beschränken uns und andere, indem wir Angehörige der eigenen Nation in ihren Werten und Verhaltensweisen zu ähnlich und Angehörige fremder Nationen zu unterschiedlich im Vergleich zu uns selbst sehen als sie es eigentlich sind.

Darüber stülpen wir noch eine Maske kollektiver Vorstellungen wie Stereotypen und Vorurteile, was es uns schwerer macht, den Menschen als einzigartiges Produkt seiner Erfahrungen hinter dieser Maske zu erkennen. Man steckt Menschen unbewusst schneller in eine Schublade und verpasst so die einzigartige Gelegenheit aus den individuellen Erfahrungen der anderen zu lernen.

Ein Festhalten am Nationalgefühl bringt immer auch Leid mit sich. Selbst, wenn Nationen erfunden sind, unterliegen sie doch wie alles in der Natur einem stetigen Wandel. Bemüht man sich noch so sehr einen vergangenen Zustand auf Dauer zu erhalten, es wird nicht gelingen. Das kann weh tun.

Zu dieser ganzen Nationen-Sache möchte ich auch noch einiges anmerken. Klar ist es so, dass sich viele Menschen über eine Nation verbunden fühlen, da man ähnliche Wertvorstellungen und Traditionen teilt. Aber es reicht doch ein Blick über die Nachbarregionen hinaus, um zu erkennen, wie sich Menschen bereits hier in gewissen Weisen, wenn auch nur leicht, unterscheiden.

Dieses Gemeinschaftsgefühl möchte ich auch überhaupt nicht abstreiten, im Gegenteil. Ich finde es wirklich schön, wenn sich Menschen in gesunder Weise miteinander verbinden. Das ist auch nicht was ich hier aufzeigen möchte, sondern lediglich den Schmerz, den wir uns selbst und anderen durch eine übertriebene Identifikation mit der Nation zufügen können.

Das Geschlecht

Von einem wunden Punkt zum nächsten. Dafür möchte ich mich auch gleich an dieser Stelle entschuldigen.

Es gibt Männer und Frauen. Einer davon bin ich. Oder?

So einfach ist das leider nicht. Oder erklär mir mal, wo genau fängt die Frau an und wo hört der Mann auf? Biologisch kann man sagen, jeder Mensch wird mit einer unterschiedlich starken Ausprägung für eines der beiden oder sogar für beide “biologische Geschlechter” geboren. Das ist allerdings nur eine Beschreibung des Körpers.

In unserer Gesellschaft verbinden wir gewisse Verhaltensweisen, die entweder typisch “Mann” oder typisch “Frau” sind mit genau dieser biologischen Anschauung.

Leben wir nach diesem festen, zweigeteilten Geschlechtermodell schränken wir uns hier auch wieder selbst ein. Von Kleinauf bekommt man mit, wie ein “Mann” bzw. eine “Frau” zu sein hat. Dadurch fällt es auch unglaublich schwierig Verhaltensweisen außerhalb dieses Spektrums für sich vorzustellen. Es kann daher sein, dass man sich damit selbst in der eigenen Selbstentfaltung und -entwicklung hemmt.

Indem wir dieses Geschlechtermodell weiter reproduzieren, durch Sprache und Verhalten im Alltag, wie z.B., dass man nur Frauen die Tür aufhält oder kleinen Jungs eintrichtert, ein Mann hat nicht zu weinen, nehmen wir Einfluss auf die wahrzunehmende Lebensrealität anderer Menschen, die dann im schlimmsten Fall diese scheinbare Wahrheit noch glauben und sich daher auch in ihrer eigenen potenziellen Entwicklung beschränken.

Was für Vorteile bringen überhaupt Geschlechter? Jede Person ist unterschiedlich. Egal ob biologisch “Mann”, “Frau” oder irgendetwas außerhalb. Halten wir an dieser Kategorisierung fest, tun wir hier wieder nichts anderes als uns selbst zu behindern neue Erfahrungen und Wege kennenzulernen, die uns eventuell selbst in unserer Entwicklung weiterbringen würden. So kann es sein, dass man mit sich selbst hadert den Partner fürs Leben zu finden (wenn man denn so einen gerne hätte), nur weil einem seit der Kindheit eingeredet wurde, es sind nur Menschen des “gegenteiligen” Geschlechts als attraktiv zu empfinden.

Deshalb plädiere ich auch dafür, die Geschlechtervielfalt auf die Anzahl aller Menschen auf dieser Welt, ob tot, lebendig oder noch zu gebären, auszuweiten.

Der Konsum

Wer kennt es nicht? Die klassische Werbung, die verspricht: “Kaufen Sie unser Produkt und sie werden …!” oder “Unser Produkt ist für die … unter euch!”

Das alles sind klare Anspielungen und vor allem Köder für das eigene Bedürfnis nach Identität. Dann steht weit mehr der Gedanke der Zugehörigkeit (“ich bin einer von diesen”) im Vordergrund als der eigentliche Nutzen dieses Produkts.

Bringt der Konsum auf lange Sicht überhaupt etwas oder werden wir nur von der Werbeindustrie gemolken? Fakt ist, Besitz allein verändert uns noch nicht. Wir bleiben dabei dieselben. Man mag zwar mehr angeben können und auch kurzfristig einen Gefühlsaufschwung erleben, im Endeffekt steigt aber mit dem Besitz auch die Sorge, wieder mehr verlieren zu können.

Natürlich kann man Konsum und Besitz nicht pauschal für “schlecht” erklären. Es kommt immer auf das Maß und die Motivation dahinter an. Dazu gehört ein reflektiertes Kaufverhalten: Brauche ich diese Sache wirklich? Hat mir der Besitz bzw. Konsum dieser Sache irgendeinen Nutzen gestiftet?

Man hört diesen Satz heutzutage sehr oft, aber auch er muss immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden: Wir leben auf einem endlichen Planeten, auf dem die Ressourcen begrenzt sind. Konsum benötigt eine gewisse Form von Produktion, die wiederrum gewisse Formen von Ressourcen bindet. Wird derart viel “sinnlos” konsumiert und besessen ohne einen jeweiligen Nutzen zu stiften, kann man diese Ressourcen als verschwendet betrachten. Somit lassen sich auch Auswirkungen auf die Umwelt und die darin lebenden Lebewesen, wie uns Menschen, gut ausmalen.

Keine Identität

Nun haben wir drei Quellen kennengelernt deren Identitätsbezug die Gefahr beherbergt, sich durch ein falsches Selbstgefühl zu definieren. Gibt es aber überhaupt so eine Art von Identität? Ein immer gleich bleibender Kern der jedem Wandel trotzt? Dafür mag es viele Antworten geben. Ich teile mit euch meine Perspektive.

Identität ist eine Geschichte, die wir uns immer wieder neu erzählen. Vor allem, da wir uns selbst andauernd ändern. Wenn wir gelegentlich daran erinnert werden, wie wir früher einmal waren, mag das oft befremdlich wirken. War ich damals wirklich so? Heute sehe ich mich ganz anders.

Das mag wohl der größte Beweis dafür sein, dass sich unsere Identität andauernd ändert. Und mit dieser Veränderung passen wir auch unsere eigene Lebensgeschichte an. Im Laufe der Zeit suchen wir Erinnerungen und gemachte Erfahrungen so zusammen, dass diese gut zur aktuellen Lebensweise passen und schaffen so unser identitätsstiftendes Narrativ, das aber lediglich nur einen Teil aller gemachten Erfahrungen abbildet.

Manche Menschen mögen auch soweit sein, dass sie vollkommen bewusst ihre Gesamtheit an Erfahrungen in sich einfließen und von jedem Moment in ihrem Leben sagen können: Das war ich zu dieser Zeit, ich stehe dazu. Heute bin ich aber anders.

Das Leben ist wie ein Fluss. Wir können zurückverfolgen wo wir hergekommen sind und eine Richtung spüren, in die wir uns gerade bewegen. Mit jedem neuen Punkt, den wir erreichen, haben wir uns wieder ein Stück verändert.

Sind wir bereit, all diese leidbringenden Faktoren bei der Suche nach der eigenen Identität zu berücksichtigen, könnte dabei schon viel getan werden. Vor allem das Ersparen von viel unnötigem Schmerz.


In diesem Text beanspruche ich natürlich keinerlei Wahrheitsanspruch. Das Thema Identität mag sehr tief greifen und einen vermutlich auch sehr tief berühren. Die Gedanken in diesem Text sind nur meine Perspektive, die mir im Laufe meines Lebens zurechtgelegt wurde. Daher würde ich mich auch umso mehr freuen, wenn wir gemeinsam mit all unseren verschiedenen Sichtweisen, dieses Thema weiter beleuchten können!

Foto: Chris Barbalis - Unsplash


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