Menschen entwickeln Techniken, die die Möglichkeit Schaden anzurichten minimieren. So zum Beispiel die Gewaltenteilung.

Haben sich historisch mehrere Menschengruppen in einem sogenannten Staat zusammengeschlossen, fällt die Frage nach der Organisation und Koordination - der Politik. Am Anfang entstand der Konflikt zwischen den Zielen eines Menschen (der Diktatorin), dem des Systems (dem Staat) und dem der individuellen Interessen der Menschen (dem Volk).

Die modernen Ziele und Existenzgründe des Staates scheinen zu sein für ein gewaltfreies Miteinander zu sorgen und dass den innewohnenden Menschen ein Leben in Würde und in körperlicher, wie materieller Sicherheit gewährt wird. Obendrein soll das Ganze dann noch sozial gerecht sein.

Soweit klingt das ja schon relativ ehrenhaft. Und um dies alles sicher stellen zu können, besonders die Gewaltfreiheit, möchte der Staat selbst der einzige sein, der Gewalt anwendet.

Jetzt kann man natürlich argumentieren. Schafft die Anwendung von Gewalt nicht auch immer eine Form von Gegengewalt? Und kann man physische Gewalt mit psychischer Gewalt in ihren Auswirkungen gleichsetzen? Was ist eigentlich Gewalt? Laut Duden: ein Mittel über jemanden etwas zu bestimmen.

Wer sich noch an die Pubertät erinnern kann oder diese gerade noch selbst in irgendeiner Form durchlebt, kann wohl nachvollziehen, was das bedeutet. Denn in so einer Situation tut man dann genau das Gegenteil, was über einem bestimmt wird.

Trotzdem schafft der Staat das Gefühl von Sicherheit. Nicht nur für uns als Menschen, indem uns die Angst ums Überleben genommen wird, sondern auch für Unternehmen und andere Organisationen, die sich nun sicher sein können, dass sie eine Gegenleistung bei Ableistung ihrer Dienste bekommen, oder dass ein Streitfall nicht in einem blutiger Schwertkampf auf Leben und Tod, sondern auf einem Spielfeld mit festgesetzten Rechtsregelungen ausgetragen wird.

Hier kommt aber nun wieder die Diktatorin ins Spiel. Orientiert diese sich nun an diesen "ehrenhaften" Zielen des Staates oder doch so, dass sie für sich und ihr Umfeld (Familie, Freunde, sonstige Gleichgesinnte) die überwiegenden Vorteile herausholt?

Die Erfahrungen mit einem Menschen, der an der Spitze die großen Entscheidungen diktiert, war großteils negativ. Zwar gab es auch Fälle in denen so eine Diktatorin wohlwollend und bedacht gegenüber den anderen agierte, doch das entsprach nicht dem Normalfall.

Wiffe Köpfe kamen daher irgendwie auf die Idee die Gewalt im Staat zu teilen, so dass jemand nicht allein unkontrolliert nach Belieben Unsinn treiben kann. Denn mit mehreren Gewalten bzw. Mächten im Staat wird es zunehmend schwieriger, ein persönliches Ziel durchzusetzen ohne dass die anderen Gewalten blockieren würden.

Gewaltenteilung also als Technik in der politischen Organisation, da das Risiko, ein Mensch könnte die ihm zugeteilte Macht missbrauchen, zu hoch scheint. Ein technisches Hilfsmittel dazu, den machthabenden Menschen in ein Korsett zu stecken, so dass der mögliche Schaden minimiert wird.

Diese Begrenzungen, dieses Korsett, haben aber den Nachteil, dass sie wirklich wohlwollende und bedachte Menschen in ihren Möglichkeiten einschränken. Man arbeitet schlussendlich nicht daran, wohlwollende und bedachte Menschen in einem Staat heranwachsen zu lassen und zu fördern, sondern die gewählten Staatsziele zu erfüllen.

Das große System Staat, dass anfangs für die breite Sicherheit untereinander gesorgt hat, entwickelt sich immer weiter und unter der Fahne der Demokratie werden die Aufgaben dieses Systems in kleinere Teile aufgeteilt. Es findet also eine Form der Arbeitsteilung statt. Das führt aber dazu, dass diese Staatsdiener immer mehr als Staat denken und weniger als Mensch. Am Ende dürfen wir nicht vergessen, dass das System Staat für die Menschen arbeitet und nicht die Menschen für den Staat. Dass der Staat eine Technik ist, menschliches Zusammenleben zu koordinieren und nicht ein Selbstzweck.

Somit entfremdet sich der Staat weiter von seinem eigentlichen Ziel. Denn auch die scheinbar demokratischen Methoden und Strukturen der Entscheidungsfindung, wie die Wahlsysteme oder die Zusammensetzung im Parlament, sind nicht perfekt und müssten weiterentwickelt und angepasst werden, um das System Staat nicht in einen Selbstläufer zu verwandeln, sondern darauf zu achten, dass er den Menschen dient und nicht umgekehrt.

Doch wie ändert man ein derart etabliertes und derart stark in das alltägliche Leben verwobene System, dass auch nur selbst die einzige Quelle für die Rechtsregelung darstellt? Es gibt in dem derzeitigen demokratischem System Möglichkeiten die Form des Staates zu verändern. So gibt es Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, sowie auch Volksbegehren, bei der man dem Staat ein Gesetz vorschlagen kann und Ausdrucksformen der Unzufriedenheit wie friedliche Streiks oder Demonstrationen.

Letztendlich weiß man aus eigener Erfahrung wohl selbst, wo die Schwachstellen dieser Möglichkeiten liegen.

Bei Wahlen kann man nur aus einer festgelegten Auswahl wählen. Es gibt keine Antwortkategorie "Sonstiges", wo man eigene Vorstellungen mitteilen könnte.

Viele Gesetzesvorschläge aus Volksbegehren werden trotz Massenaufkommen nicht weiterentwickelt. Meines Erachtens haben wir hier auch wieder so ein Problem, wie damals beim Diktator. Die persönlichen Ziele wie vielleicht Machterhalt und Bereicherung von sich selbst und dem eigenen Umfeld stehen vor den eigentlichen Staatszielen. Die Angst vor Verlust der politischen Machtposition ist weit geringer als die Folgen des eigeninteresslichen Handelns. Also entweder man erhöht nun die Angst vor Verlust bei diesen Staatsdienern durch z.B. mehr direktdemokratische Kanäle, oder man lässt sie die Konsequenzen bei Verfolgen ihrer eigenen Ziele deutlich mehr spüren, was auch über mehr direktdemokratische Kanäle passieren könnte oder aber auch über das Umfeld (Medien, Gesellschaft, andere Menschen in Politik und evtl. im Freundeskreis), die den entsprechenden Staatsdiener wieder auf die richtige Bahn verweisen.

Direktdemokratische Kanäle sind eine verfeinerte Art mit dem Staat zu kommunizieren, so dass dieser die Bedürfnisse der Menschen für die der Staat eigentlich da wäre besser erkennt.

In der Wirtschaft funktioniert das schon besser, wo eigene Marketingabteilungen entstanden sind, deren einzige Tätigkeit darin besteht, mit den Kunden zu kommunizieren.

Da sind wir wieder bei der Kommunikation. Wenn ich als Befragter, egal ob jetzt von Politik oder Wirtschaft, nicht ehrlich antworte bzw. nicht ehrlich antworten kann, dann verlaufen sich diese Systeme. Sie liefern falsche Ergebnisse aufgrund falscher Eingaben. Punkt eins: Ehrlichkeit.

Dazu kommt noch das Bewusstsein über die Beeinflussung von außen. Wir Menschen haben unsere biologischen Schwachstellen. Diese erkennen wir, wenn wir z.B. nicht aufhören können das Smartphone zu benutzen, weil deren Apps genau darauf ausgelegt sind, die größtmögliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dasselbe mit Werbung. Dasselbe mit Medien und überhaupt Sprachbildern, was oft auch unbewusst geschieht. Als soziale Wesen lassen wir uns auch leicht von anderen beeinflussen - Stichwort "Gruppenzwang". Doch ein Bewusstsein dafür ist unbedingt notwendig, denn wie soll man sonst die eigenen Ziele und Wünsche von den suggerierten aus Werbung, Medien und sozialen Normen unterscheiden? Punkt zwei: Selbstkenntnis.

Selbstkenntnis führt zu dem Wissen, wo die Grenze zwischen eigenem Einfluss und fremden Einflüssen steht. Oder anders gesagt auch, die Grenzen von dem was ich verändern kann und was ich nicht verändern kann. So kann ich nicht direkt das Verhalten anderer Menschen umstellen, wenn es mich stört. Was man aber kann, ist die eigene Interpretation von diesem Verhalten zu verändern, in eine Richtung, die einem selbst gut tut. Anstatt dann Gedanken des Ärgers im Kopf zu haben, befreit man sich dadurch von diesen Gedanken und es kehrt mehr Ruhe in einem ein. Ruhe, die ermöglicht anderen besser zuzuhören und mitzufühlen und so kann vielleicht auch gemeinsam mit dem anderen erkannt werden, dass das ursprüngliche Verhalten des anderen auch diesen selbst unzufrieden macht und so auch selbst dazu beitragen kann, diese entstandene Ruhe weiterzugeben. Dadurch sollte man sich auch bewusst werden, wann eigene Ziele und Wünsche im eigenen Einfluss liegen und daher keine Relevanz für politische Handlungen des Staates erfordern und wann nicht.

Vielleicht wäre es also keine schlechte Idee auch die Entwicklung der Menschen selbst in die Staatsziele mitaufzunehmen. Reine Systemdenker bringen die Menschheit nicht weiter. Achtsame Augen sind erforderlich um zu erkennen, ob ein von Menschen geschaffenes System nicht schon zum Selbstläufer geworden ist und sich von den Menschen selbst entfremdet hat. Kommunikation ist der Schlüssel. Ehrlich kommunizierte Selbsterfahrung.


In den nächsten Beiträgen in der Reihe "Werkzeuge für ein harmonisches Miteinander" darf man sich auf Antworten zu Fragen, wie die Blockchain eine ähnliche Technik zur Vertrauenssicherung bereitstellt und wie wir auch das Denken selbst einerseits als Werkzeug verwenden, andererseits davon aber auch beherrscht werden, freuen.

gleich weiterlesen:
Teil 2: Vertrauen. Menschen haben eine Blockchain bereits in sich.

Teil 3: Denken. Arbeitest du für deine Gedanken oder dein Denken für dich?

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