Wenn ich bei der täglichen Busfahrt nicht ständig daran denken muss, dass mir jemand böse gesinnt sein könnte.
Dann fühle ich mich sicher.

Wenn Abmachungen mündlich gehalten werden und nicht in unverständlicher Rechtssprache verschriftlicht sind.
Dann kann ich mich auf andere verlassen.

Wenn auch andere mir vertrauen können und mir nicht im Vorhinein etwas unterstellen.
Dann fühle ich mich wertgeschätzt.

Das ist Vertrauen.

Vertrauen ist schwer zu verdienen und leicht wieder verspielt.


Hast du den 1.Teil: "Politik. Von Gewaltenteilung und Kommunikation." noch nicht gelesen?


In engen persönlichen Kreisen ist es einer der größten sozialen Strafen, wenn einem nicht mehr vertraut wird. Unerträglich scheint es, wenn jede der eigenen Aussagen und Handlungen überprüft wird und man sich ständig dafür rechtfertigen muss. Andauernd wird einem etwas unterstellt, obwohl nicht einmal im geringsten daran gedacht wurde.

So eine soziale Strafe ist in größeren Gemeinschaften nicht mehr möglich zu verhängen. Das ist keine Einladung zum Vertrauensmissbrauch, aber führt zu einer Ungleichheit - einer Asymmetrie. Die Folgen dieses Handelns in größeren Gruppen sind daher einfach weniger spürbar als das noch in kleineren Kreisen der Fall war. Ein menschliches Problem.

Staaten, Banken und sonstige Vertrauensgaranten sind aber darauf angewiesen. Ohne Vertrauen gäbe es weder Geld, noch eine funktionierende Regierung. Gerade diese zentralen Autoritäten, die derartige Mengen an Vertrauen in ihnen bündeln, sind durch ihre Größe anfällig für dieses Problem. Ein einziges Rädchen in ihren Triebwerken reicht, um die Vertrauensmaschine still zu legen. Jene, die den Vertrauensmissbrauch ächten könnten, sind weit entfernt und werden wohl auch nie die eigenen Wege kreuzen. Man sieht keine Gesichter, fühlt keine Empathie und vergisst so die Menschen, die einem vertrauen, wenn man sich nicht ständig daran erinnert. Ein Problem zentralisierten Vertrauens.

Abhilfe kann ein Aufsplitten dieser Vertrauensbündelung schaffen. Eine Idee der Moderne dafür ist die Blockchain, zu Deutsch eine Blockkette. Anstatt eines zentralen Registers, werden die anvertrauten Daten an alle Vertrauten verteilt. Kommen neue Daten hinzu, werden diese in einen Block zusammengefasst, auf ihre Validität hin überprüft und an alle Beteiligten eine Aktualisierung der Kette ausgesendet - das ist "Mining". Klingt vielleicht ganz simpel. Dahinter steckt aber eine hochkomplexe Technik. Kryptografie, Spieltheorie und Wissen über Computer-Netzwerke.


Wer noch genauer wissen will, was so eine Blockchain ist und auch die ständigen Anwendungen dieser besser verstehen möchte, kann sich hier ein kurzes Erklärvideo ansehen:


Will man hier irgendwie die anvertrauten Daten manipulieren, reicht es nicht, ein Rädchen im Getriebe umzudrehen, sondern alle. Zur selben Zeit. Ein Ding der Unmöglichkeit? Eine hunderprozentige Sicherheit gibt es natürlich nicht - nur ein überaus mühsames Wettrüsten der Sicherheitsstandards mit Angreifern.

Warum also gleich diesen hochtechnologisierten Apparat, wenn man Vertrauen auch einfacher sichern kann? Und zwar, wenn wir Wege finden, die soziale Konsequenz auch in großen Gemeinschaften wieder spürbar machen. Wege zu finden, wie man sich selbst in jedem Moment bewusst machen kann, was Vertrauen bedeutet, so dass man selbst nie auf den Gedanken des Missbrauches kommen würde.

Wozu soviel Energie in hochkomplexe Technologien investieren? Warum nicht in die Entwicklung der Menschen selbst und ihr Vertrauen? Das ist dann auch keine Symptombekämpfung mehr, sondern eine Behandlung direkt an der Wurzel.

Wer schon einmal mit dem Prinzip von freiwilligen Spenden in Berührung gekommen ist, wird wohl nachvollziehen können, wie schön es ist, wenn einem vertraut wird. Natürlich gibt es immer noch Menschen, die so ein System ausnützen, doch genau darum geht es ja: Für dieses individuell soziale Problem einen Weg zu finden, bei dem nicht ständig kontrolliert werden muss; sich also menschlich weiterzuentwickeln.

Es gilt die Suche nach Lösungen für menschliche Probleme von außen wieder hereinzuholen, in sich selbst. Nicht wir Menschen müssen die Welt für uns verändern und irgendwelche Techniken erfinden um unser schädliches Verhalten zu begrenzen, sondern im Grunde liegt das Problem, sowie auch die Lösung, bereits in uns selbst.


Weiterlesen mit Teil 3: Denken. Arbeitest du für deine Gedanken oder dein Denken für dich?


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Foto:  Noah Buscher - Unsplash