Wie wir uns selbst erfahren hängt viel mit unserem sozialen Umfeld zusammen. Nicht nur die Anwesenheit und Beobachtung von anderen Menschen ist von Bedeutung, sondern viel mehr auch die Kommunikation zwischen und mit ihnen. Es ist ein Schlüssel, um zu erkennen, was in Menschen, in anderen oder auch in einem selbst, vorgeht. Deshalb ist das hier ein Plädoyer für eine gesunde Kommunikation.

Drei Kernpunkte einer gesunden Kommunikation für mich möchte ich dir daher in diesem Text näher bringen.

1. Nicht beurteilen oder bewerten

Niemand kennt das eigene Leben so gut wie man selbst. Deshalb kann kein Außenstehender jemals ein richtiges Urteil über einen anderen aussprechen. Und etwas absolut Richtiges gibt es auch nicht. Auch nicht wenn eine Gesellschaft bestimmte Werte und Verhaltensweisen über Jahrhunderte hinweg praktiziert hat oder in Gesetzen stehen. Egal welche allgemeinen Regeln aufgestellt werden, es ist unmöglich, dass sie für alle individuellen Lebenswege taugen. Jede Situation, die entsteht, ist so in der Geschichte noch nie so vorgekommen. Die Umwelt hat sich verändert und auch die beteiligten Personen sind nie dieselben. Wie soll es also möglich sein Normen festzulegen, die in Situationen Geltung finden, die vorher noch nie so passiert sind?

Die Welt da draußen, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Schule usw. bewertet schon genug. Gerade die Angst vor einer Verurteilung und der daraus möglichen Isolation vom umgebenden sozialen Gefüge zwingt uns, uns selbst zurückzuhalten und anzupassen. Anzupassen an ein sichtbares wie auch unsichtbares Regelwerk, dem nie jemand wirklich zugestimmt hat, sondern in das man einfach hineingeboren wurde und das man von Geburt an in sich aufgesaugt hat. Wir Menschen tragen die Folgen einer lange vor unserer Zeit begonnen Geschichte mit uns herum und können uns nicht so einfach von dieser Last befreien, oder?

Würden wir nur alle erkennen können, dass vieles von dem, was wir uns über die Welt und uns selbst in der Lage sind vorzustellen, auf historischen Einflüsse beruht, auf gesellschaftlichen Entwicklungen, die lange vor der eigenen Lebenszeit stattgefunden haben und Strukturen in der Welt geschaffen haben, die den eigenen Vorstellungshorizont begrenzen, könnten wir uns von diesem Ballast befreien und endlich frei echt sein.

Jede Empfindung, die man in sich spürt ist gut so, wie sie ist. Es ist wie ein Feedback von Körper und Geist, von dem was wir sind. Wenn wir beim Autofahren jahrelang die Warnsignale am Armaturenbrett ignorieren, crasht es irgendwann einmal. So schadet es auch, nicht darauf zu hören, was man empfindet. Empfindungen helfen den eigenen Lebensweg zu finden und zu erkennen, was sich richtig und was sich falsch anfühlt. Nur so kann man auch lernen wirklich man selbst bzw. einfach echt zu sein und legt die Masken (Personas), die man bisher immer aufgesetzt hatte, immer weiter ab (= persönliche Ent-wicklung).

Um es also für einen Gesprächspartner möglich zu machen, sich selbst zu erkennen, ist es erforderlich dessen Empfindungen nicht zu beurteilen und zu bewerten, sondern sie erstmal anzunehmen, so wie sie sind. Hat man mit anderen Menschen schon ein derartiges Gesprächsklima aufgebaut, so ist es einfacher sich gegenseitig zu öffnen und zu den tiefsten Einsichten eines Menschens zu gelangen. Man lernt den Gesprächspartner endlich richtig kennen.

2. Zuhören können

Zuhören klingt wie die einfachste Aufgabe der Welt. Man muss ja nichts dafür machen, denn hören tut man ja automatisch. Doch das ist ein Trugschluss.

Wirklich Zuzuhören bedeutet, sich selbst auch zurücknehmen zu können. Still zu sein. Sich nicht auf die eigenen Gedanken und Vorstellungen zu stützen, sondern sich voll und ganz auf den anderen einzulassen. Sowie man historische Texte nur in deren historischen Kontext wirklich verstehen kann, kann man Aussagen von Personen nur aus ihrem persönlichen Lebenskontext heraus verstehen.

Beobachte dich doch einmal selbst im nächsten Gespräch. Versuchst du während dein Gegenüber noch spricht schon eine Antwort in deinem Kopf zu formulieren, oder ist es still im Oberstübchen und kannst dem Gesprochenen gut folgen?

3. Wiederholen, um zu verstehen

Eigene Vorstellungen vom Gesagten müssen nicht mit dem übereinstimmen, was der andere damit gemeint hat. Jeder Mensch hat für jedes Wort eine eigene Bedeutung im Laufe seines Lebens erfahren. So kann ein und dasselbe Wort Verschiedenes meinen, je nach dem, welche Person es ausgesprochen hat.

Deshalb ist es vor allem wichtig bei Schlüsselstellen in Gesprächen, auf denen etwa das restliche Gesagte aufbaut, das zu wiederholen, was man für sich verstanden hat. Und das in eigenen Worten. Wenn man weiterhin in der Sprache des Gegenübers bleibt, kann dieser nur schwer kontrollieren, ob die Information bei dir tatsächlich so angekommen ist, wie dieser sie gemeint hatte. Und nur so kann auch der Gesprächspartner lernen, unsere Sprache in ihrer Bedeutung zu verstehen.

Eine Wiederholung mit anderen Worten ist zwar kein Garant für perfektes Verständnis, aber bereits das könnte schon viele Missverständnisse sofort auflösen. Vielleicht scheint es dem einen oder der anderen mühsam und langatmig an wichtigen Stellen des Gesprächs das Gesagte zu wiederholen, aber am Ende geht es doch in einem Gespräch um Informationsaustausch und nicht um ein möglichst effizientes Abladen der eigenen Redeschwälle.

5 Punkte zum Mitnehmen oder zum Hier-Essen

  • Urteile nicht über andere, denn sie sind die Experten in ihrem Leben.
  • Jede Empfindung ist ein wertvolles Feedback für dich.
  • Ein urteilsfreies Kommunizieren öffnet die Tore zum wahren Kern eines Menschen und gibt ihm die Möglichkeit ehrlich zu sein.
  • Zuhören heißt, auch still sein zu können.
  • Selbst, wenn wir dieselbe Sprache sprechen, können andere mit denselben Wörtern Unterschiedliches meinen.

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Foto: rawpixel auf Unsplash