In der Welt läuft nicht alles so, wie wir Menschen es uns füreinander wünschen würden.

Dieser Aussage würden vermutlich viele zustimmen.

Eine enorme Menge - wenn nicht sogar alles - Leid entsteht durch unbewusste Handlungen, die nicht immer leicht zu beobachten sind oder sogar bewusst ausgeblendet werden, vor allem da sie durch die allgemeine Betroffenheit oft den Eindruck erwecken, normal zu sein.

Daher werde ich im Folgenden eine - natürlich - unvollständige Liste anführen, die allesamt Symptome für diese unbewusste "Krankheit" der Menschen beinhaltet. Dabei werde ich auch versuchen, die Verbindungen zum eigenen Handeln aufzuzeigen. Denn, jede Entscheidung einer Gruppe, eines Systems oder sonstigem Zusammenschlusses lässt sich am Ende auf die Entscheidung einer einzigen Person zurückführen.

Diese Ausführungen werden dabei teils stark vereinfacht, generalisiert und teils zugespitzt. Daher bitte nicht alles wortwörtlich nehmen! Es ist schlicht und einfach meine weit unvollständige Perspektive. Über jeden einzelnen Satz könnte man Bücher schreiben. Mein Ansatz ist lediglich einen oberflächlichen Anstoß zu geben, der vielleicht den heilsamen Veränderungswillen in der Welt weiter anfeuert.

1. Entfremdung von der eigenen Arbeit

Wir stellen unsere Lebenskraft zu einem großen Teil dem Willen eines Unternehmens zur Verfügung, das womöglich noch gegen unsere eigenen Interessen handelt.

Wir stellen Produkte und Dienstleistungen her, hinter denen wir nicht immer voll und ganz stehen.

Wir leben um zu arbeiten. Der alltägliche Arbeitsfrust endet erst in der Pension. Würden wir arbeiten um zu leben, würden wir im Einklang mit unseren Bedürfnissen arbeiten und daher auch andere Produkte und Dienstleistungen bereitstellen.

2. Übertriebene Wertschätzung des Äußeren

Es ist mehr und mehr entscheidend, wie man sich verkaufen kann. Der wahre Wert zählt weniger.

Statussymbole wie Smartphone, Auto, Markenkleidung, Wohnung, touristisches Reisen, Haustiere, ein für die Gesellschaft gutaussehender Partner und luxuriöse Geschenke - ganz allgemein: das, was andere über uns denken - soll uns einen äußeren Wert vorgaukeln, der im Inneren oft nicht existiert.

Fremde Menschen werden schnell durch leicht geglaubte Vorurteile beurteilt und es wird ihnen nur selten eine Chance gegeben, das Gegenteil zu beweisen.

In täglichen Gesprächen fehlt häufig die Tiefe; das was einem eigentlich wirklich bewegt. Solche Themen werden oft nur oberflächlich angesprochen oder ansonsten nur in Form von Gerüchten über Prominente, Freunde, Familie, irgendwelchen Trends in der Gesellschaft, was-man-denn-nicht-alles-haben-muss und Beschwerden über Dinge, ohne daran interessiert zu sein, sie womöglich auch ändern zu wollen.

3. Entfremdung von sich selbst

Wir haben kaum noch ein Gespür für die eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Emotionen - generell die inneren Vorgänge in einem selbst, sowie wohl auch für den eigenen Körper. Gerade Männer wurden lange so erzogen, dass sie sich für ihr eigenes Empfinden schämen müssen. Der Zugang zu ihrem Inneren scheint am stärksten verschlossen zu sein.

Wir besitzen mehr, als wir wirklich brauchen, weil wir auch selbst nicht wissen, was wir wirklich brauchen.

Wir essen mehr als wir nötig zu haben, weil wir nicht auf unseren Körper hören.

Wir lassen uns leichter durch Geld motivieren, als durch eigenen Antrieb, weil wir nicht wissen, was wir wollen.

Wir können nicht mehr richtig kommunizieren. Andere werden schnell in Schubladen gesteckt oder man fühlt sich in Gesprächen oft selbst angegriffen. Das besonders in Hierarchien, wo ein Austausch von "Oben" nach "Unten" mehr als sinnvoll wäre, wie z.B. bei Jung und Alt, sowie sonstigen Hierarchien in Wirtschaft und Wissenschaft.

Wir befinden uns in ständig wechselnden Identitätskrisen, weil wir nicht wissen, wer wir sind. Wir suchen Identitäten in Nationen, Familie, Konsum und anderen gesellschaftlichen Rollenbildern. Das eigene Leben wirkt daher langweilig und wir suchen nach Spannung in Gerüchten und sonstigen Geschichten (Serien, Filmen, Nachrichten, usw.).

In dem wir uns selbst nicht mehr kennen, erkennen wir nicht mehr das, was wir mit anderen bzw. Fremden gemeinsam haben. Das gegenseitige Vertrauen und die Empathiefähigkeit sinkt.

Wir fürchten uns vor Chaos und Unbestimmtheit und wollen alles einordnen und kontrollieren können, obwohl der Versuch alles irgendwie in Ordnung zu bringen letztlich oft mehr Chaos bringt.

Durch ein fehlendes Bewusstsein über uns selbst fällt es uns auch schwer, ein wirkliches Bewusstsein für unsere Umwelt, also die Natur, den Planeten und die Tiere - wenn nicht sogar für das Universum - zu entwickeln.

Wir fürchten uns alleine zu sein, tun uns schwer uns selbst zu beschäftigen und suchen daher ständig nach irgendeinem Tun.

Wir sind unserer Unbewusstheit ausgeliefert. Wir erkennen nicht, wie einfach unsere Gedanken, Emotionen und das eigene Verhalten durch z.B. Nachrichten und soziale Medien beeinflusst wird, weil wir uns unseren eigenen Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen nicht bewusst sind.

Wir gehen (gedanklichen) Ängsten aus dem Weg, anstatt sie zu hinterfragen und sich ihnen zu stellen.

Wir fühlen uns selbst angegriffen, wenn jemand die unsere unreflektierten Lebensgewohnheiten hinterfragt, anstatt in einen konstruktiven Dialog zu gehen.

Wir suchen Liebe in anderen, nur nicht in uns selbst, weshalb in vielen Beziehung eine gewisse Abhängigkeit geliebt zu werden entsteht und wahre Liebe, die auf Selbstliebe aufbaut, nie zu stande kommt.

Schlussendlich machen wir es den nächsten Generationen bei der Selbstfindung schwerer, indem wir die eigenen unbewussten Probleme an ihnen ausleben und sie damit negativ beeinflussen.

4. Entfremdung der eigenen Verantwortung

Wir fordern Demokratie im Staat, während wir in Unternehmen weiterhin strikte (diktatorische) Hierarchien tolerieren.

Wir geben die Verantwortung für unser eigenes Handeln an der Wahlurne ab. Erwarten Veränderungen von der Politik, obwohl nur wir selbst Veränderungen bewirken können.

Medien bestimmen die öffentliche Meinung mit dem, was sie produzieren, anstatt dass ein ehrlicher und offener Erfahrungs- und Gedankenaustausch stattfindet.

Ein wirkliches Interesse zur Selbstbestimmung im politischen Rahmen existiert nicht, ansonsten würden wir ein anderes politisches System als eine Demokratie wollen.

5. Anstieg populistischer Parteien und Bewegungen

Wir sind in unserer eigenen Identität nicht gefestigt. Daher spielen diese Parteien auf das nationale Identitätsgefühl ab.

Sie versuchen die Komplexitität und das Chaos der Welt mit einfachen, aber unzureichenden Antworten zu reduzieren.

Sie nutzen das Gefühl der Unzufriedenheit. Packen die Probleme aber nicht an der Wurzel, sondern setzen ihre eigene Ideologien um.

6. Kasernen als Schulen

Disziplin und Stillsitzen, anstatt die natürlichen Bedürfnisse auszuleben. Kinder sind von Natur aus neugierig und haben diese Lust am Lernen bereits verloren, wenn sie die Schule verlassen.

Es wird viel gelernt für Prüfungen. Wissen und vor allem Weisheit bleibt dadurch aber nicht hängen.

Gleichtaktung durch Glockensignal und das Erreichen gleicher Standards. Viele Potenziale können nicht entfaltet werden, da sie nicht ins Schulsystem passen.

Kinder lernen Autoritäten unhinterfragt zu folgen und keine unbequemen Fragen zu stellen. Ihnen wird gelehrt, es gibt zu allem nur eine richtige Antwort, anstatt auch andere Lösungswege zu erkunden.

Fehler werden bestraft, anstatt belohnt, um aus ihnen lernen zu können.

Noten sagen nichts über das wirkliche Potenzial eines Schülers aus. Viel zu oft fließen persönliche Einflüsse mit ein und allein aus statistischen Gründen muss der Lehrer immer irgendwem schlechte und irgendwem gute Noten geben, auch wenn diese sachlich nicht gerechtfertigt sind.

7. Lebensmittelindustrie

Wir produzieren mehr Lebensmittel als wir brauchen. Unglaubliche Mengen werden tagtäglich verschwendet, während andere hungern. Und das nicht nur in anderen Ländern.

Fleischkonsum war früher teuer, ist heute billig. Nun wird viel zu viel Fleisch produziert, wie auch gegessen mit all seinen Folgen für das Tierleid, die Umwelt und die eigene Gesundheit.

Wie Lebensmittel hergestellt werden bleibt oft versteckt und wird nicht hinterfragt, obwohl es die Bausteine des eigenen Körpers sind.

8. Festhalten im Wandel

Wir befinden uns in einer Zeit, in der sich die Welt für uns so schnell verändert, wie noch nie zuvor. Genau hier machen sich die Folgen des Festhaltens an frühere Zeiten am stärksten bemerkbar.

Früher konnte man noch ein Leben lang in derselben Alltagsroutine leben, während man heute alle paar Jahre mit neuen gesellschaftlichen Veränderungen konfrontiert wird. Die Welt wird sich immer verändern, egal ob mit oder ohne unserem Einfluss. Ein Festhalten wird daher früher oder später immer zu Leid führen.

9. Gefühl der Ohnmacht

In der heutigen Zeit bekommen wir soviele Information über die Welt, wie noch nie zuvor und gleichzeitig sind wir damit mehr und mehr überfordert.

Wir bekommen heute viel mehr von dem mit, was auf der Welt passiert und so kommt man sich selbst viel unbedeutender vor, während man in einer früher, gefühlt kleineren Welt mehr Überblick hatte und sich so eher bereit fühlte, etwas verändern zu können. Die Welt war allerdings früher auch schon groß und beeinflusste sich gegenseitig. Wir können das verändern, was in unserem Einflussbereich liegt - und das ist gar nicht so wenig.

Wir lassen uns von (schlechten) Nachrichten aus aller Welt in die Irre führen. Wenn ich nach schlechten Nachrichten suche, werde ich sie weltweit auch (noch) immer finden.

10. Probleme dahin auslagern, wo man sie nicht sieht

Für Probleme, die man mit sich selbst hat, werden andere  verantwortlich gemacht - sei es der Partner, Familie, Freunde, Arbeit oder Politik. Nicht selten sucht man sich auch genau so ein Umfeld, bei dem man den eigenen Problemen am besten ausweichen kann.

Auf politischer Ebene finden z.B. Auslagerungen von Müllproblemen wie z.B. von der EU nach u.a. China oder gleich ins Meer statt.

Der Auspuff von Benzinautos wird beim Elektroauto auf den Ausstoß der Kraftwerke verschoben, wo sie nicht mehr so sichtbar sind.

Asylverfahren sollen in die Herkunftsländer ausgelagert werden, um die Menschen nicht mehr sehen zu können und sich so weiterhin vor Problemen der Welt zu verschließen.

uvm.


Das mag vielleicht jetzt alles etwas viel sein auf einen Schlag.  Aber alles hängt mit einem selbst zusammen. Das Heilmittel gegen diese Krankheit sind wir selbst, mit unserer Fähigkeit jederzeit etwas verändern zu können - mit unserem Bewusstsein.
Jeder Einzelne mit jeder einzelnen Entscheidung.

Erkenne dich selbst.

Mach was draus.


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Foto:  Matt Collamer - Unsplash